Deutsch-Griechische Gesellschaft "Griechen-Haus Leipzig" e.V.
Γερμανοελληνικός Σύλλογος «Σπίτι των Ελλήνων» Λειψία

Kalenderblatt 2017-11 (November)

Abenteuer Süden: Mit dem Auto nach Griechenland (2. Teil)

10. Juli: Thessaloniki

Wir haben eine Stadtrundfahrt, beginnend vom berühmten Weißen Turm, gebucht. Neben den Sehenswürdigkeiten der Stadt sind wir nicht zuletzt von den Fahrkünsten des Busfahrers beeindruckt, umso mehr, als der Bau der U-Bahn das ohnehin unübersehbare Verkehrschaos weiter steigert. Die einzelnen Stationen der Hop-off-hopp-on-Tour sind unterschiedlich interessant, was uns jedoch enttäuscht, ist das Fehlen jeglichen Bezugs auf die jüdische Vergangenheit der Stadt. Immerhin war Thessaloniki jahrhundertelang einst mehrheitlich von Juden bewohnt und verdankt eben dieser Tatsache den Ruf, das Jerusalem des Balkans gewesen zu sein.

Thessaloniki  Thessaloniki  Thessaloniki  Thessaloniki

11. Juli: Von Thessaloniki zum Olymp

Wir verlassen Thessaloniki und fahren auf südwestlicher Route, um uns einen Traum zu erfüllen: eine Bergwanderung zum Gipfel des Olymps. Zunächst machen wir auf einen Kaffee in Litochoro Halt, von wo aus die meisten Olympwanderer starten. Der kleine, quirlige Ort liegt am Fuße des Götterbergs und verdankt seinen Wohlstand dem Tourismus. 

Nach der kurzen Pause führt uns der Weg - noch mit dem Auto - bis Prionia, wo die Straße endet und der Wanderpfad zum Gipfel beginnt. Die Kennzeichen der Fahrzeuge auf dem Parkplatz geben Auskunft über die Nationalität der Bergwanderer: Serben, Russen, Griechen, Italiener, Deutsche, Polen und Franzosen suchen die Magie des Olymps. Wir packen die nötigen Utensilien in die Rucksäcke und machen uns auf den 6,5 Kilometer langen Weg zur Schutzhütte Spilios Agapitos, auf dem ca. 1000 Höhenmeter zu bewältigen sind. 

Die Natur schlägt uns sofort in ihren Bann: Dichte Wälder, bizarre Stämme und eine wildromantische Bergwelt bilden eine filmreife Kulisse für unseren beschwerlichen Aufstieg, für den durchschnittlich drei Stunden zu veranschlagen sind und für den wir dann doch viereinhalb Stunden brauchen. 

Oben in der Schutzhütte erwarten uns bereits die beiden Betreiber Maria und Dionyssos, die im Frühjahr als Gäste des Leipziger Griechenhauses einen gut besuchten und viel beachteten Vortrag über den Olymp gehalten haben. Entsprechend herzlich ist die Begrüßung und das Wiedersehen.

Olymp  Olymp  Olymp  Olymp  Olymp  Olymp  Olymp

12. Juli: Von der Schutzhütte Spilios Agapitos bis (fast) zum Olympgipfel Mitikas

Am nächsten Morgen brechen wir zum "Sturm" auf den Gipfel des Olymps auf. Es wird noch einmal ziemlich beschwerlich, aber die atemberaubende Bergwelt lässt uns immer wieder die Strapazen vergessen. Schnell realisieren wir, dass die meisten Wanderer offensichtlich weitaus geübter und erfahrener sind als wir. Das hilft, die eigene Unzulänglichkeit zu relativieren und Minderwertigkeitskomplexe zu vertreiben. 

Etwas unterhalb des eigentlich höchsten Gipfels des Olymp, des 2917 Meter hohen Mitikas, beschließen wir, den Aufstieg zu beenden. Uns trennen lediglich geschätzte 15 Minuten Fußmarsch vom Plateau, von wo es auf den Mitika geht, der wie ein Riesenzahn in den Himmel ragt. Aber erstens haben es diese letzten Meter in sich, und zweitens kommt für uns die Erklimmung des eigentlichen Gipfels ohnehin nicht in Frage - dank des Vortrags von Maria und Dionyssos wissen wir, dass dieses Wagnis geübten Bergwanderern vorbehalten sein sollte.  

Unsere Freude und unseren Stolz schmälert es allerdings keineswegs, dass wir es nicht ganz bis nach oben schaffen, der Eindruck ist auch so überwältigend. Wir verweilen noch zu einer spirituellen Rast auf einem kleinen Vorsprung und beginnen dann mit dem Abstieg.

Olymp  Olymp  Olymp  Olymp  Olymp  Olymp  Olymp  Olymp

13. Juli:  Vom Olymp nach Portaria (Pilion)

Die Attribute, mit denen Pilion bedacht wird, lässt nichts weniger als einen Garten Eden vermuten. Die Halbinsel, im zentralen Osten Griechenlands gelegen, ist reich an platanen- und kiefernbestandenen Wäldern, die zum Teil bis direkt an die Küste reichen, Obstgärten, Naturquellen, Wasserfällen und malerischen Bergdörfern. Wir lassen voller Erwartungen Volos rechts liegen und steuern die erste Station - Portaria - an. Der kleine Touristenort liegt auf etwa 600 Metern Höhe und ist der ideale Ausgangspunkt für den "gyros tou Piliou", die Rundfahrt über die Halbinsel. 

Das ausgesprochen hübsche Hotel, für das wir uns entscheiden, ist, von uns abgesehen, leer - eine Folge der Krise, wie wir vermuten und damit falsch liegen. Die Hotelchefin erklärt uns lächelnd, dass hier die Saison traditionell erst im November beginnt, wenn - wir glauben es kaum - der erste Schnee liegt, der übrigens in manchen Jahren eine Höhe von sechs Metern erreichen kann. Zwei in der Nähe liegende Skipisten locken zahlreiche Winterurlauber an.

Pilion  Pilion  Pilion  Pilion  Pilion

14. Juli: Von Portaria nach Chorefto

Nach einem kleinen Abstecher in den idyllischen Nachbarort Makrinitsa, den man sich keinesfals entgehen lassen sollte, fahren wir weiter an die Ostküste Pilions nach Chorefto. Lange Sandstrände mehrere Hotels und Pensionen und Tavernen haben sich inzwischen auf einen regen Tourismus eingestellt, der ideale Ort, um für ein paar Tage auszuspannen.

Allerdings macht uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung. Zwei Tage und Nächte regnet es ununterbrochen wie aus Eimern. Wir machen aus der Not eine Tugend, steigen in unseren Van ein und fahren mehrere der verträumten Bergdörfer ab. Unvergesslich der Anblick der 1000-jährigen Platane von Tsangarada auf dem zentralen Dorfplatz mit dem gewaltigen Umfang von 14 Metern. Touristen aus Israel, Italien, Serbien und Russland bestaunen den ungeheueren Baum.

Pilion  Pilion  Pilion  Pilion  Pilion

15. Juli: Von Chorefto nach Kalambaka/Meteora

Es gibt Orte, deren Beschreibung sich dem normalen Wortgebrauch entziehen: Die Klöster von Meteora sowie die Felsen, auf denen sie errichtet wurden, gehören dazu. Als im 9. Jahrhundert Eremiten auf den 200 bis 300 Meter hohen Felsen Gebetsstellen errichteten, begann die Geschichte der Klöster. Insgesamt errichteten die Einsiedler über 20 Klöster, von denen heute noch nur noch sechs bewohnt sind. Drei davon, unter anderem das Frauenkloster Agias Barbaras Rousanou, besuchen wir, bestaunen die Architektur sowie die überwältigenden Ikonenmalereien in den Kapellen. - Die orthodoxen Einrichtungen lassen sich per Wanderweg erkunden, was etwas mühselig und zeitaufwendig ist, man kann auch Busfahrten nutzen oder mit dem eigenen Pkw von Kloster zu Kloster fahren. 

Beschaulichkeit wird der Besucher hier übrigens leider kaum noch finden, denn es machen sich täglich ganze Heerscharen von Touristen auf den Weg, ein Besuch der Klöster lohnt gleichwohl trotzdem. Achtung: Bei einem geplanten Besuch ist zu bedenken, dass jedes Kloster pro Woche einen Schließtag hat, das heißt, je eins kann nicht besucht werden.  Und noch ein Tipp: Wer sich einen filmischen Eindruck von der Kulisse machen möchte, schaue sich den James-Bond-Klassiker "In tödlicher Mission". Die meisten der Szenen wurden im Kloster Agia Triada gedreht.

Meteora  Meteora  Meteora  Meteora  Meteora  Meteora  Meteora  Meteora  Meteora  Meteora

> Fortsetzung folgt <


Den ersten Teil des Berichts, im Kalenderblatt vom September 2017, finden Sie hier.

Kontakt     Impressum